Industriegüter - wie wird dieser Begriff definiert?
Industriegüter, die • In | dus | trie | gü | ter • SYN Investitionsgut
Industriegüter sind langlebige Güter, die Industrieunternehmen zur Herstellung oder Weiterverarbeitung von Produkten benötigen, ohne dass diese Güter selbst in die Produkte einzugehen. Sie sind Teil des Herstellungs- bzw. Verarbeitungsprozesses und gelten als Teil des Anlagevermögens. Ein Betrieb investiert in Industriegüter, um damit eine bestimmte Leistung zu erbringen, sie werden deshalb auch als Arbeitsmittel oder Investitionsgüter bezeichnet. Verkauft werden vom Betrieb die erbrachten Leistungen, nicht aber die Industriegüter selbst, diese sind nur Mittel der innerbetrieblichen Wertschöpfung. Diese industrielle Nutzung ist Voraussetzung für die Klassifizierung als Industriegut. Wird ein Gut privat gebraucht, so spricht man von einem Konsumgut. Der Begriff Industriegüter ist weit gespannt, man kann damit eine Fabrikhalle, die darin befindlichen Maschinen, aber auch einen Computer und sogar den Schreibtisch im Büro bezeichnen. Industriegüter sind in allen Wirtschaftszweigen vorhanden, entscheidend für die Bezeichnung Industriegüter ist, dass sie am Produktions- oder Verarbeitungsprozess beteiligt sind. Es spielt keine Rolle, ob die Industriegüter während des gesamten Prozesses oder nur in einen kleinen Teil dieses Prozesses involviert sind. Konsumgüter können auch zu Industriegütern werden: für eine Maschinenfabrik sind die von ihr hergestellten Metallbearbeitungsmaschinen Konsumgüter, da für den Verkauf bestimmt. Für die als Käufer auftretenden Betriebe dagegen handelt es sich um Industriegüter, da sie diese Maschinen nicht verkaufen, sondern in ihrem Produktionsprozess einsetzen. Es gibt jedoch auch Güter, die als solches weder das eine noch das andere sind. Als Beispiel: Fotobücher sind keine Industriegüter aber trotzdem eine beliebte Handelsware und finden daher auch ihren festen Platz am Markt.
Industriegüter und die Konjunktur
Entsprechend der Bedeutung von Industriegütern für den Produktionsprozess hängt deren Bedarf stark von der ökonomischen Entwicklung ab: wirtschaftlicher Aufschwung bedingt einen steigenden Bedarf an Industriegütern, während in Zeiten einer Flaute die Nachfrage nach Industriegütern rapide abnimmt. In solchen Fällen ist die Langlebigkeit von Industriegütern von Nachteil: um Kosten zu sparen, werden von der Flaute betroffene Betriebe ihre vorhandenen Industriegüter länger nutzen und Neuanschaffungen hinausschieben. Dadurch wirkt sich die Flaute dann mittelbar auch auf die Hersteller dieser Industriegüter aus, die einen Absatzeinbruch verzeichnen müssen. Der Bedarf an Industriegütern ist ein wichtiger Index für die Konjunktur und kann als sicheres und frühes Zeichen für das Vertrauen der Industrie in die Konjunktur angesehen werden: steht nach ihrer Ansicht ein Rückgang der Konjunktur zu befürchten, so werden Investitionen in Industriegüter frühzeitig zurückgefahren, um Absatzschwierigkeiten und den damit verbundenen Preisverfall zu vermeiden. Es handelt sich um einen typischen Fall einer "Self-fulfilling prophecy": weil ein wirtschaftlicher Rückgang befürchtet wird, wird weniger produziert und investiert, und dadurch wird dieser Rückgang erheblich verschärft, wenn nicht sogar überhaupt erst eingeleitet.
Industriegüter und deren betriebswirtschaftliche Aspekte
Industriegüter als langlebige Arbeitsmittel können vom Betrieb steuerlich abgeschrieben werden, wenn sie länger als ein Jahr zur Leistungserbringung dienen und einer Abnutzung unterliegen. Steuerlich kann der jeweils entstandene Jahreswertverlust als Wertminderung in Anschlag gebracht werden.